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Wahlen in Frankreich

InvestmentLetter - Fokus-Ausgabe 04/2017

Politische Weichenstellung für die nächsten fünf Jahre

Am Sonntag werden in Frankreich mit der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen die politischen Weichen für die nächsten fünf Jahre neu gestellt. Aufgrund der weitreichenden Machtbefugnisse, die die französische Verfassung dem Präsidentenamt verleiht, ist die Wahl von grosser Bedeutung. Sie wird entscheiden, ob Frankreich zur Stärkung der Konjunktur dringend benötigte Reformen angeht und an der europäischen Kooperation festhält oder einen protektionistischen und nationalistischen Weg einschlägt.

Hohe Unsicherheit hinsichtlich des Wahlergebnisses

Der Wahlausgang ist sehr ungewiss. In den Umfragen erzielen derzeit vier der elf Kandidaten jeweils mehr oder weniger 20% der Stimmen (Abb. 1). Marine Le Pen vom nationalistischen Front National, Ex-Sozialist Emmanuel Macron mit seiner neuen zentristischen Bewegung «En Marche», der konservative François Fillon sowie der linksgerichtete Jean-Luc Mélenchon haben somit alle Chancen, die Stichwahl um das Präsidentenamt am 7. Mai zu erreichen. Bemerkenswert ist die hohe Rate unentschlossener Wähler, die bei 35–40% liegen soll.

Unsere Erwartungen

Das wahrscheinlichste Szenario ist unseres Erachtens, dass Le Pen und Macron die Stichwahl erreichen. Einer Kandidaten-Kombination Le Pen und Fillon räumen wir die zweitgrössten Chancen ein. Den Umfragen zufolge sollten sowohl Macron als auch – mit geringerem Vorsprung – Fillon eine Stichwahl gegen Le Pen gewinnen. Wichtig wird dabei auch die Wahlbeteiligung sein, da Le Pen über eine loyalere Wählerschaft als andere Kandidaten verfügt. Ebenfalls für möglich halten wir eine Stichwahl zwischen Macron und Fillon. Geringer sehen wir die Wahrscheinlichkeit für das Szenario, dass am 7. Mai zwischen Le Pen und Mélenchon gewählt wird.

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer, Bank Coop